E-Zigaretten werden als „Raucherwaren“ eingestuft: Frankreich leitete die Ära der strengsten europäischen Vorschriften ein.
Seit einem Jahrzehnt werden E-Zigaretten als „schadensminderndes, rauchentwöhnungsförderndes und umweltfreundliches“ Produkt beworben und als Alternative zu herkömmlichem Tabak angepriesen. Ein neues französisches Gesetz führt jedoch dazu, dass E-Zigaretten nicht mehr als Gesundheitsprodukt, sondern als steuerpflichtiges Konsumgut gelten. Folglich wurde die Zuständigkeit für E-Zigaretten vom Gesundheitsministerium an das Finanzministerium übertragen, wodurch sich das Thema von „Gesundheitsmanagement“ zu „Finanz- und Ordnungsfragen“ gewandelt hat.
Das französische Finanzgesetz 2026 sieht ausdrücklich Folgendes vor:
Nikotinkonzentration ≤15 mg/ml, besteuert mit 0,03 €/ml;
Nikotinkonzentration >15 mg/ml, besteuert mit 0,05 €/ml.
Dies entspricht einer Preiserhöhung von etwa 0,50 € pro 10-ml-Flasche E-Liquid. Noch gravierender ist jedoch das vollständige Verbot des Online-Verkaufs. Kleine Marken und Ladenbesitzer, die auf E-Commerce, soziale Medien und Lieferdienste angewiesen sind, verlieren nach Inkrafttreten der neuen Regelung ihren Marktzugang. Auch stationäre Geschäfte unterliegen künftig dem gleichen Lizenzsystem wie Tabakmonopole. Das bedeutet, dass nur noch staatlich autorisierte Geschäfte E-Zigaretten legal verkaufen dürfen. Frankreich wandelt sich damit von einem offenen Markt für E-Zigaretten in ein staatlich kontrolliertes Nikotinmonopol.
Dieser Politikwechsel ist nicht bloß eine Steuerreform; er ist vielmehr ein entscheidender Bestandteil des Nationalen Tabakkontrollplans (PNLT) der französischen Regierung für den Zeitraum 2023–2027.
Werfen wir einen Blick auf den Zeitablauf, um den Verlauf dieser regulatorischen Verschärfung zu verstehen:
2025: Das französische Parlament verabschiedete ein Verbot von E-Zigaretten zum Einmalgebrauch;
April 2026: Der Verkauf aller nicht-pharmazeutischen oralen Nikotinprodukte (einschließlich Taschenzigaretten, Lutschtabletten und Nikotinkaugummi) wurde verboten;
2026: E-Zigaretten wurden in die Definition von Raucherprodukten aufgenommen und unterliegen nun einer umfassenden Besteuerung und Verkaufsbeschränkungen.
Frankreich ist damit das erste Land in Europa, das alle drei Formen des Nikotinkonsums – Inhalation, Regurgitation und Kauen – gleichzeitig einschränkt. Die Regierung hofft, durch die Neudefinition des Produkts die Kontrolle über den „legalen Konsum“ zurückzugewinnen.
Die Ziele des französischen Finanzministeriums sind sehr klar:
E-Zigaretten in das bestehende Tabaksteuersystem einbeziehen;
Rückgabe der Verkaufsrechte an die lizenzierten Einzelhändler;
Indem man die Regeln durch Definitionen ändert, bringt man alles wieder in eine „kontrollierbare Ordnung“.
Der französische Haushalt 2026 offenbart eine harte Realität: Mit zunehmender Reife einer Branche, die auf Innovationen beruht, unterliegt sie fiskalischen und politischen Rahmenbedingungen.
E-Zigaretten gelten nicht länger als „Ersatz für die öffentliche Gesundheit“, sondern als steuerpflichtige, kontrollierbare und regulierte Form des Rauchens. Für die Tabakindustrie wird dieser „Steuerkrieg“ eine strukturelle Umstrukturierung mit sich bringen: Unabhängige Marken und Online-Vertriebskanäle werden verschwinden; Tabakkonzerne werden durch Kooperation und Ressourcen ihre Vormachtstellung zurückgewinnen; und die Erzählung von „Schadensminderung“ wird allmählich dem Konzept von „finanziellem Gleichgewicht“ und „gesellschaftlicher Ordnung“ weichen.
Dieser Wandel könnte die Nikotinindustrie in Europa verändern und die Bedeutung von „Schadensminderung“ neu definieren – wenn die Politik Ordnung über Freiheit stellt, ist Schadensminderung nicht mehr das Ziel, sondern lediglich ein Prozess.

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